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Summer-Camp mit Bits und Bytes am Bodensee 29.07.2009
Konstanzer Hochschulen haben IT-interessierte Gymnasiasten eingeladen, vier Tage lang Campus-Luft zu schnuppern. Beim ersten Informatik Summer Camp, vom 20. bis 23. Juli, konnten sie in den Labors der Hochschulen um die Wette tüfteln. Dort erlebten sie, dass Informatiker viel mehr tun, als am Rechner zu programmieren.
| Das Informatik Summer Camp stieß auf großes Interesse. Bild: textbar |
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Die Semesterferien stehen vor der Tür, und die Studierenden, die nicht gerade in der Prüfung schwitzen, genießen die sonnigen Stunden im Strandbad. Trotzdem wimmelt es in den Informatik-Fachbereichen der Konstanzer Hochschulen von jungen Leuten. Sie treffen sich hier zum ersten Informatik Summer Camp am Bodensee. Oberstufenschülerinnen und -schüler aus 30 Gymnasien der Region sind in die Bodensee-Hauptstadt gekommen, um Campus-Luft zu schnuppern und live zu erleben, welchen Aufgabenstellungen sich Informatiker an der Hochschule und in der Berufspraxis stellen. Vier Tage lang tüfteln, programmieren und schrauben sie hier in verschiedenen Labors um die Wette.
Konstanzer Hochschulen ziehen an einem Strang
Das Informatik Summer Camp ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität Konstanz und der Konstanzer Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG). „Wir wollen IT-Studiengänge populärer machen, indem wir zeigen, dass ein Informatiker nicht stupide hinterm PC sitzt und Programme schreibt, sondern dass er auch viele konzeptionelle und praktische Herausforderungen bewältigen und sehr kreativ sein muss“, erklärt Prof. Dr. Harald Reiterer vom Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft der Universität Konstanz. Denn obwohl Informatiker zu den gefragtesten Experten auf dem Arbeitsmarkt gehören, ist die Zahl der Studienanfänger seit dem Boomjahr 2000 deutlich zurückgegangen. Laut Branchenverband BITKOM haben in den letzten Semestern zwei Drittel aller deutschen Hochschulen nicht besetzte Plätze gemeldet. „Das ist nicht nur bedauerlich für Unternehmen, denen es an diesen Fachkräften fehlt, sondern auch für die Schüler, die sich die Chance auf gute Jobs entgehen lassen“, findet Martina Groeschel, Projektleiterin bei der MFG Baden-Württemberg, Innovationsagentur des Landes für IT und Medien. Seit 2007 realisiert die MFG gemeinsam mit dem Fachbereich Informatik und Informationswissenschaft der Universität Konstanz ein Partnerprojekt zur Ausbildungsförderung im Bereich Visual Computing, in dem sie die Disziplinen übergreifende Vernetzung von Forschung und Wirtschaft anregt. |
| Ein Schüler programmiert einen Pizzaofen. Bild: textbar |
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Eine Idee trifft ins Schwarze
Die Idee zum Summer Camp entstand im Frühjahr 2008 auf der Bildungsmesse Horizon in Friedrichshafen. „Wir wollten bestehende Hemmschwellen zur Informatik abbauen, indem wir die Schüler einfach zu uns ins Haus einladen und ihnen dort auf Augenhöhe begegnen“, sagt Summer-Camp-Projektleiterin Susanne Walheim. Damit haben die Konstanzer offensichtlich ins Schwarze getroffen. „Die Zahl der Bewerber hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen“, berichtet Prof. Dr. Marc Scholl, Fachbereichssprecher Informatik der Universität. Bereits wenige Tage nach der Ausschreibung waren für die 40 Plätze beim Camp mehr als 160 Bewerbungen eingegangen. „Über 100 Bewerbern abzusagen, das fiel uns wirklich schwer“, sagt Prof. Dr. Jürgen Neuschwander, Prodekan der Fakultät Informatik an der HTWG. Deswegen planen die Camp-Organisatoren nun auch einige kompakte Zusatzveranstaltungen, zu denen sie die übrigen Bewerber im Herbst einladen wollen.
Das didaktische Konzept für das Informatik Summer Camp, das gemeinsam mit Informatiklehrern regionaler Schulen erarbeitet wurde, erklärt Walheim so: „Wir stellen Aufgaben, die dem Kenntnisstand der Gymnasiasten angemessen sind, aber wir behandeln sie eben nicht wie Schüler, sondern wie Studenten. Wir nehmen sie ernst und machen erlebbar was Studieren heißt.“ |
| Die Schüler programmierten ein Spiel für das iPhone. Bild: textbar |
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Arbeiten wie die Profis
Die Aufgaben kamen aus den Themenbereichen Sensoring, Visualisierung, Interaktion und Robotics. An den ersten beiden Tagen entwickelten die Jugendlichen Konzepte für die Mediensteuerung im Wohnzimmer der Zukunft und programmierten dazu kleine Hardware-Schnittstellen. Unter diesen sogenannten Phidgets waren etwa ein Joystick, ein Bewegungsmelder und ein Drucksensor. „Es war spannend zu beobachten, wie viel Kreativität die Studierenden an den Tag legten und wie vielfältig die Lösungsansätze waren“, erzählt Prof. Reiterer. Am dritten und vierten Tag bauten die Nachwuchswissenschaftler zum Beispiel einen Lego-Mindstorm-Roboter, entwickelten ein interaktives Spiel fürs iPhone und programmierten die Steuerung eines Pizzaofens.
Bei allen Aufgaben arbeiteten sie in kleinen Teams zusammen und wurden von Studierenden und Mitarbeiten der Hochschulen intensiv betreut. „In einem Projekt wurden wir von ausländischen Studenten begleitet, mit denen wir uns nur in Englisch verständigen konnten“, erzählt Timo Walter von der Hohentwiel-Gewerbeschule in Singen. Sichtlich Freude hatten die Jugendlichen daran, das Profi-Equipment in den Labors der Hochschulen zu nutzen und live zu erleben, wie sich das Leben auf dem Campus von dem in der Schule unterscheidet. |
| Informatikprofessoren im Interview. Bild: textbar |
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Wiederholung erwünscht
Katharina Allgaier aus Unteruhldingen und Patrizia von Briel aus Altheim fanden es gut, Einblicke in verschiedene Programmiersprachen zu bekommen, die sie aus der Schule noch nicht kannten. Was sie nach dem Abi machen will, weiß Patrizia noch nicht genau, aber das Summer Camp hat auf jeden Fall ihr Interesse an der Informatik gestärkt. Vielleicht will sie Wirtschaft studieren oder Informatik – oder vielleicht auch einen Studiengang wählen, der beides verbindet. „Natürlich glauben wir nicht, dass nun alle Teilnehmer Informatik studieren. Aber sie werden ihren Mitschülern und Freunden davon erzählen, was sie hier erlebt haben und wie gut sie betreut wurden. Das ist für uns sehr viel wert“, sagt Prof. Reiterer.
Zum Abschluss des Camps wurden die drei besten Gruppen mit einem Preis belohnt. Die MFG und das Stuttgarter Softwareunternehmen Visenso aus dem Cluster Visual Computing laden die Gewinner zu einem Unternehmensbesuch ein, bei dem sie spannende Einblicke in die Welt der virtuellen Realität bekommen und einen 3D-Cyber-Classroom erkunden können.
Wird es in Konstanz auch im nächsten Jahr wieder ein Informatik Summer Camp geben? „Aufgrund der großen Resonanz und der vielen positiven Rückmeldungen von Teilnehmern und Sponsoren können wir gar nicht anders, als die Veranstaltung zu wiederholen“, antwortet darauf Prof. Neuschwander, „darin sind wir uns alle einig.“
Autorin: Silva Schleider |
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