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Forschungstransfer: Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis

 

Die Förderung der Forschung hat im „Land der Tüftler und Denker“ einen hohen Stellenwert. Über 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gibt Baden-Württemberg für Forschung und Entwicklung aus – ein internationaler Spitzenwert. Gefördert werden sowohl die Grundlagenforschung, als auch die anwendungsorientierte Forschung, der Technologietransfer in marktfähige Produkte und wirtschaftsnahe Projekte in Erfolg versprechenden Schlüsseltechnologien. Dabei gilt das Prinzip, dass die öffentliche Förderung private Investitionen in Forschung und Entwicklung stimulieren soll.

 

Schnittstelle zwischen Hochschule und Industrie
Neben der Forschungsförderung ist aber vor allem die Umsetzung von Ideen in marktfähige Produkte und Services wichtig, um die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Landes dauerhaft zu sichern. All zu häufig bleibt die Chance ungenutzt, mit Forschungsergebnissen Geld zu verdienen. Dabei gibt es in Baden-Württemberg ein weit verzweigtes Netz an privaten und öffentlichen Transfereinrichtungen.

Ergebnisse aus der Hochschulforschung kommen Unternehmen zugute

Basis des Forschungstransfers sind die Transferberatungsstellen der Universitäten, Fachhochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Sie sind die erste Anlaufstelle für Unternehmen, die auf der Suche nach verwertbaren Ergebnissen aus der Hochschulforschung sind. An der Schnittstelle zwischen Hochschule und Industrie vermitteln die Technologietransferstellen Kontakte in beide Richtungen, informieren über Förderprogramme in der Forschung und sorgen für einen raschen Wissens-Output in die Praxis. Eine wichtige Anlaufstelle für baden-württembergische Hochschulen ist das Technologielizenzbüro, das herausragende Erfindungen auf den Markt begleitet.

In der Online-Servicestelle für ELektronische Forschungsförder- Informationen (ELFI) sind sämtliche Technologietransferstellen der deutschen Hochschulen mit Kommunikationsdaten aufgelistet. Eine andere Informationsquelle sind die Webseiten und Forschungsbereiche der Hochschulen. Sie dokumentieren den aktuellen Stand laufender Forschungsprojekte, informieren über Themen und Ergebnisse abgeschlossener Forschungsprojekte und geben Hinweise zu Informationsveranstaltungen.

 

Forschungsimpulse aus der Praxis
Unterstützung für den Weg von der Idee zum Produkt

Als kompetenter Berater in Sachen Transfer agiert auch die MFG Baden-Württemberg. Mit regelmäßigen Veranstaltungen, Fachtagungen und Kongressen schafft die MFG ein Forum, das den Forschungstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft vorantreibt. Die Maßnahmen begleiten dabei alle Schritte einer erfolgreichen Innovationskette: von Forschungsanreizen und Talentförderung (www.karl-steinbuch-stipendium.de) bis hin zur Markteinführung und Investorensuche.

Eine konkrete Möglichkeit eine Idee auf den Markt zu bringen, finden Forscher auf dem Heidelberger Innovationsforum. Die Europäische Matchmaking-Plattform vermittelt seit 2005 erfolgreich Partnerschaften zwischen Erfindern und Wirtschaft: Bereits über 200 Ideen wurden vorgestellt, über 100 viel versprechende Kontakte geknüpft und dadurch mehr als 20 erfolgreiche Transfergeschäfte vermittelt.

Aktuell betreut die MFG gemeinsam mit der Wirtschaftsinitiative bwcon und dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg das Gründerprogramm Coach & Connect Plus. Mit dem Programm bietet bwcon jungen, expandierenden Hightech-Unternehmen und innovativen Gründern ein umfangreiches, netzwerkbasiertes Service-Angebot. Ziel ist es, innovative Technologieunternehmen branchenspezifisch und zielgerichtet in den unterschiedlichen Phasen ihres Unternehmensaufbaus, von der Gründung bis hin zur Expansion, zu begleiten. Coach & Connect Plus ist als landesweites Unterstützungsprogramm konzipiert und fungiert als zentrale Anlaufstelle für junge, technologieorientierte Wachstumsunternehmen und High- Tech Gründungen.

Auch auf internationaler Ebene ist die MFG aktiv und pflegt den Austausch mit Experten aus anderen Institutionen und Ländern, u.a. im internationalen Netzwerk der Technologietransfer-Akteure Technology Innovation International TII. Zudem bringt die MFG ihre Erfahrungen als Benchmark in das europäische Projekt FITT ein. Das von der EU geförderte Projekt geht der Frage nach, welche Maßnahmen besonders erfolgreich sind, wenn es darum geht, Erfindungen in marktfähige Produkte umzusetzen. Dazu werden die bisherigen Erfahrungen der sieben Projektpartner miteinander verglichen und anschließend in praxisbezogenen Ratgebern sowie Werkzeugen zusammengefasst. Damit wird das Ziel verfolgt, angepasst an die einzelnen Schritte und Anforderungen, den Kommerzialisierungsprozess begleiten und verbessern. Ziel des Projektes ist es, Hilfestellungen zu entwickeln, die die Arbeit beispielsweise von Wirtschaftsförderern, Hochschulberatungsstellen, Gründerzentren, Technologieparks oder Patentverwertungsagenturen verbessert.

 

Brücke zwischen Theorie und Praxis
Forschungsimpulse aus der Praxis

Um das Wechselspiel zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu motivieren, hat Baden-Württemberg bereits in den achtziger Jahren mehrere rechtlich selbstständige Institute an den Universitäten des Landes gegründet. Im IT- und Kommunikationsbereich gehören hierzu das Forschungsinstitut für Anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) an der Universität in Ulm und das Forschungszentrum Informatik (FZI) an der Universität in Karlsruhe. Die mittlerweile sieben Vertragsforschungseinrichtungen stehen für eine anwendungsorientierte Auftragsforschung und sorgen dafür, dass die Forschungsergebnisse aus bestimmten Technologiefeldern effektiver für die Wirtschaft nutzbar werden. Sie verstehen sich zudem als Partner für innovative Entwicklungen und als Begleiter von Unternehmen in deren Forschungs- und Entwicklungsvorhaben.

Für den Kontakt zwischen Wissenschaftlern und kleinen und mittleren Unternehmen verfügt Baden-Württemberg darüber hinaus über ein weitverzweigtes Netz an spezialisierten Institutionen, die in einer landesweiten Dachorganisation, der Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung, zusammengefasst sind. Die Steinbeis-Stiftung unterhält derzeit ein Netz von 220 Transferzentren, die zumeist dezentral an verschiedenen Hochschulen des Landes angesiedelt sind. Sie sind Anlaufstellen für kleine und mittlere Unternehmen, die ihr technisches Know-how und ihre Produkte in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern weiterentwickeln möchten. Das Dienstleistungsangebot der Stiftung reicht von Informationen zum Stand der Technik, der Problemanalyse und dem Ausarbeiten von Technologie- und Marktübersichten über das Projektmanagement bis hin zum Durchführen konkreter Entwicklungsaufträge. Erste Anlaufstelle für Unternehmen sind die Steinbeis-Europa-Zentren mit Sitz in Stuttgart und Karlsruhe.

 

Titelbild Artikel
Sechs Softwarezentren in Baden-Württemberg
Ein gutes Netzwerk macht’s

Verantwortlich für einen fruchtbaren Technologietransfer aus den baden-württembergischen Hochschulen sind neben den Steinbeis-Zentren noch andere zentrale Forschungseinrichtungen:
Die Institute für Angewandte Forschung (IAF). An nahezu allen Fachhochschulen des Landes ist ein IAF eingerichtet, das die Funktion einer Kontaktbörse und Beratungsstelle für Wissenschaftler und Unternehmen übernimmt. Die  Forschungsaktivitäten der baden-württembergischen Fachhochschulen laufen in der Koordinierungsstelle Forschung und Entwicklung der Fachhochschule Mannheim zusammen. Für die Fachhochschulen und deren Industriepartner übernimmt die Koordinierungsstelle die Rolle eines Dienstleisters in Sachen Forschungstransfer.
Dass brillante Ideen insbesondere im Bereich IT marktwirtschaftlich optimal umgesetzt werden, dafür sorgen auch die sechs Softwarezentren Baden-Württembergs. Mit einer gut funktionierenden Netzwerkstruktur aus kleinen und mittelständischen Unternehmen fördern die Softwarezentren wirtschaftsnah und anwenderorientiert das Cluster Unternehmenssoftware (www.softwareforschung.de).

Auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) verstehen sich als Impulsgeber für die Unternehmen und als Koordinator für einen geregelten Wissenstransfer. Sie unterhalten ein breit gefächertes Netz an Technologie- und Innovationsberatungsstellen für Unternehmen. Die Technologie- und Innovationsberater der Industrie- und Handelskammern coachen Unternehmen intensiv in Einzelgesprächen, organisieren Fachkonferenzen, Erfindersprechtage und Erfahrungsaustauschgruppen und helfen Unternehmen bei der Ideenumsetzung. Ein weiteres bundesweites Serviceangebot der IHK ist die IHK-Technologiebörse, das interaktive Instrument zur Förderung des Technologietransfers. Das Online-Portal vernetzt Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Sachen Technologietransfer. Technologieangebote und -nachfragen können hier sowohl kostenfrei eingestellt als auch in einer thematischen Stichwortsuche gezielt recherchiert werden.

 




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