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Open Content: Eine Frage des Geschäftsmodells 05.11.2008
Während sich die traditionelle Medienindustrie in einem Umbruch befindet, ist die Open-Content-Bewegung um einen zeitgemäßen Medienumgang bemüht. Open Content – das sind Inhalte wie Texte, Musik, Bilder und Filme, die frei von Lizenzgebühren genutzt, bearbeitet und weiterverbreitet werden dürfen. Beides, die klassische Medienindustrie und die freien Inhalte, lassen sich durchaus verbinden, wie eine aktuelle Studie des Forschungsprojekts FAZIT zeigt.
| Open Content - der freie Zugang zu Wissen und Informationen |
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Die Informations- und Kommunikationstechnologie der Neunziger wurde geprägt von Begriffen wie E-Commerce, E-Business und E-Health. Könnte man diese Jahre aufgrund dessen als E-Jahre bezeichnen, so befinden wir uns heute in den O-Jahren. O steht für Open, für offene Ansätze in vielen Branchen. Eines der bekanntesten Beispiele für diese Offenheit ist sicherlich die Open-Source-Software (OSS). Sie wird von den Nutzern selbst entwickelt bzw. weiterentwickelt, ist kostenlos erhältlich und darf beliebig oft kopiert, genutzt und verbreitet werden. Dennoch hat sich um die OSS ein eigener Markt gebildet, denn obwohl die Software selbst gratis ist, können Dienstleister aus deren Anpassung auf Kundenwünsche und die Implementierung ein Geschäftsmodell entwickeln.
Der offene Ansatz
Die Open-Source-Software weist eine Erfolgsgeschichte auf, an der andere offene Ansätze nur zur gerne anknüpfen möchten. Das Modell wurde zwar bereits auf verschiedene Bereiche angewendet, doch der Weg zur Etablierung und damit zum Erfolg ist steinig, wie die neue Studie "Open Content – Open Access" zeigt (Download siehe unten). Untersucht hat die MFG Stiftung Baden-Württemberg im Rahmen des Forschungsprojekts FAZIT darin die Anwendung des offenen Ansatzes auf Medieninhalte wie Texte, Bilder, Filme und Musik. Open Content nennen sich diese Inhalte, wenn sie ohne Zahlung von Lizenzgebühren bearbeitet, weiterverarbeitet und genutzt werden können.
Open Content verfolgt die These, je freier der Umgang mit Wissen und Informationen ist, desto innovativer sind Wirtschaft und Wissenschaft. Dabei sind die Erscheinungsformen von Open Content recht vielfältig und machen auch vor Musik und Filmen nicht Halt. So haben im Jahr 2006 mit 'Elephants Dream' mehrere Animationskünstler den ersten Open-Content-Animationsfilm fertiggestellt und die US-amerikanische Band Nine Inch Nails stellte ihr aktuelles Album 'The Slip' kostenlos zum Download im Internet bereit. Die Hörer werden ausdrücklich dazu ermuntert, eigene Remixes des Musikmaterials anzufertigen und diese weiterzuverbreiten. |
| Open-Content-Film 'Elephants Dream'. Foto: elephantsdream.org |
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Wissenschaft für alle
Werden wissenschaftliche Literatur und Materialien kostenlos und ohne Lizenzbeschränkungen veröffentlicht, so spricht man von Open Access. Hinter der Anwendung des Open-Content-Gedankens auf wissenschaftliche Publikationen steht die Überzeugung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse – deren Entstehung häufig bereits durch öffentliche Gelder finanziert wurde – auch kostenlos anderen Forschern und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden sollten.
Die Haupttreiber in der Bemühung um Open Access sind Hochschulbibliotheken. Sie werden von steigenden Preisen für wissenschaftliche Zeitschriften unter Druck gesetzt; freie Publikationen würden die Budgets entsprechend entlasten. Doch die FAZIT-Studie zeigt anhand der Universitätsbibliothek Konstanz, dass aufgeschlossene Wissenschaftler, die ihre neusten Erkenntnisse als Open Content veröffentlichen, noch lange nicht die Regel sind. Seitens der Hochschulen muss hier noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Medienindustrie im Umbruch
Open Content trifft heute auf eine traditionelle Medienindustrie, die sich durch zunehmende Medienkompetenz der Bevölkerung und deren verändertes Nutzungsverhalten in einem Umbruch befindet. Das Online-Nachschlagewerk Wikipedia etwa hat den klassischen, gedruckten Enzyklopädien bereits den Rang abgelaufen und die Verbreitung von Medieninhalten wie Texten, Musik, Bildern oder Filmen lässt sich durch Digitalisierung und das Internet nur noch schwer kontrollieren.
Die ideellen und nutzungsformalen Voraussetzungen für Open Content stehen gut. Doch um sich nachhaltig zu etablieren, muss es auch in tragfähige Geschäftsmodelle eingebettet werden. Geschäftsmodelle, die es zeitnah zu finden gilt. Denn die Beibehaltung des vorhandenen Systems könnte für die traditionelle Medienindustrie ähnliche Folgen haben wie seinerzeit für die Musikindustrie, die sich mit allen Mitteln gegen die Digitalisierung aussprach. Die Folge damals: Die klassische Musikindustrie existiert heute so nicht mehr. Neue Akteure wie Apple hingegen taten erfolgreiche Märkte auf. |
| Wissen traditionell. Foto: aboutpixel.de/maçka |
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Neue Geschäftsmodelle ausloten
Die traditionellen Inhalte-Anbieter können daher nicht umhin, angemessen auf die veränderte Mediennutzung zu reagieren und tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln und auszuloten. Die FAZIT-Studie stellt dazu einige vielversprechende Ansätze vor, wie beispielsweise die Möglichkeiten, Umsätze durch Premium-Dienste oder Marketing-Effekte zu generieren. So kompensiert die Band Nine Inch Nails die Umsatzeinbußen aus ihrem frei veröffentlichten Album mit dem Verkauf von Konzertkarten und Merchandising-Artikeln.
Über die fehlenden Geschäftsmodelle hinaus sieht sich der Markt für freie Inhalte mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. So kam die Rolle der Qualitätssicherung und damit einem bestimmten Leistungsversprechen bislang der traditionellen Medienindustrie zu. Bücher bestimmter Verlage, Artikel in bestimmten Zeitschriften oder Musik eines bestimmten Labels: Die Reputation wurde in vielen Fällen über Jahrzehnte aufgebaut und die Konsumenten können sich auf die Qualität der Werke verlassen.
Diese Reputation kann Open Content freilich nicht vorweisen. Doch die Qualität freier Inhalte könnte insofern gesteigert werden, indem bekannte Autoren, Künstler oder Wissenschaftler attraktive Werke als Open Content bzw. unter Open Access veröffentlichen. Dies würde im selben Zuge zu mehr Akzeptanz bei den Nutzern als auch bei anderen Autoren und Künstlern führen. Nur dann können Open-Content-Angebote die notwendige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, durch die wiederum neue, tragfähige Geschäftsmodelle möglich werden.
Autor: Jürgen Pfeifle |
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