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Wissen, was wird: Systematische Zukunftsarbeit macht Mittelständler erfolgreicher
16.12.2008

 

Wer rechtzeitig neue Marktpotenziale erkennt, hat gute Chancen, mittel- bis langfristig zu den Gewinnern im globalen Wettbewerb zu zählen. Unternehmen erhalten durch den Einsatz sogenannter Foresightmethoden wertvolles Orientierungswissen als Basis für ihr strategisches Handeln - und können damit innovativer und erfolgreicher werden.

 

Mit Foresight den Weg in die Zukunft meistern
Szenarien oder Road Maps sind Werkzeuge der Zukunftsforschung, die bei Unternehmen, aber auch bei Branchenverbänden und politischen Akteuren immer häufiger zum Einsatz kommen. Die Foresightergebnisse können helfen, zukünftige Chancen und Risiken frühzeitig zu adaptieren.

Im Unternehmensumfeld hängt der steigende Bedarf am Blick in die Zukunft mit der veränderten Wettbewerbssituation zusammen, die sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. „Unternehmen stehen heute unter einem ständigen Veränderungsdruck“, schätzt Klaus Burmeister, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Z_punkt, die Situation ein. „Sie reagieren darauf mit Innovations- und Expansionsvorhaben, welche der Absicherung durch Foresightergebnisse bedürfen“, erklärt Burmeister und beruft sich dabei auf Ergebnisse der von Z_punkt durchgeführten Initiative „Corporate Foresight im Mittelstand“. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), analysiert das Projekt Ansätze systematischer Zukunftsarbeit von innovativen deutschen Mittelständlern. Ein Ergebnis der projektbegleitenden Studie: 81 Prozent erwarten in den nächsten drei bis fünf Jahren Umbrüche in ihren Märkten und 74 Prozent im Unternehmensumfeld – der Bedarf an einer strategischen Vorausschau liegt also auf der Hand.

Innovativer durch Corporate Foresight

Belegt hat die Umfrage, dass sich der gezielte Blick in die Zukunft auszahlt. Mit dem Umfang der Foresightaktivitäten nimmt auch der Innovationsgrad der Mittelständler zu. Ein direkter Zusammenhang war außerdem zwischen dem Ausmaß unternehmerischer Zukunftsarbeit und dem Unternehmenserfolg feststellbar. Je intensiver und systematischer Mittelständler strategische Vorausschau betreiben, je ausgewogener der Mix aus marktnahen und branchenfernen Informationsquellen ist, desto eher entwickeln sie radikal neue Produkte und Geschäftsmodelle, statt Herkömmliches nur inkrementell zu verbessern.

Mittelständler stehen bei der Frage nach dem Einsatz von Zukunftsforschung vor einer besonderen Herausforderung. Im Gegensatz zu Großunternehmen fehlen ihnen häufig die Ressourcen zum zielgerichteten Einsatz der entsprechenden Werkzeuge. „Sie sammeln große Mengen marktnaher Informationen. Dabei verwenden die Unternehmen zumeist einfache Foresightanalysemethoden“, ermittelt Burmeister. „Nur selten nutzen sie die Chance, Zukunftsszenarien zu generieren und diese als Input für Strategie- und Innovationsprozesse zu verwenden.“

 

Pläne sollten nicht zu festgezurrt sein. Bild: aboutpixel.de/jalen-popalen
Klares, aber nicht zementiertes Zukunftsbild

Dabei belegt die Corporate-Foresight-Studie, dass gerade die Fokussierung auf dauerhafte Entwicklungen statt kurzfristiger Moden ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, genauso wie die Entwicklung eines klaren Zukunftsbilds. Klar bedeutet in diesem Fall jedoch nicht zementiert: „Die Handlungsfähigkeit muss jederzeit gegeben sein“, warnt Burmeister vor zu stark festgezurrten Plänen. Schließlich könnten über Künftiges keine gesicherten Aussagen getroffen werden. In der Praxis arbeite man daher üblicherweise mit alternativen Szenarien. Um angesichts dieser Unwägbarkeiten trotzdem handlungsfähig zu bleiben, lohne es sich, die Unternehmensstrategie an einem Basisszenario auszurichten, das kontinuierlich überprüft wird.

Einen wichtigen Baustein der Initiative bildete die Durchführung von Best-Practice-Fallstudien. Untersucht wurden Unternehmen, die bereits effektiv Foresightansätze in ihrem strategischen Handeln einsetzen und daher als Orientierungshilfe für andere Mittelständler gelten können. Ableiten lässt sich aus deren Erfahrungen laut Burmeister, wie wichtig es ist, klare Verantwortlichkeiten für die Sammlung und Auswertung zukunftsrelevanter Informationen festzulegen. Doch trotz eindeutiger Aufgabenverteilung sei es sinnvoll, nicht ausschließlich das Topmanagement sowie einen kleinen Kreis ausgewählter Mitarbeiter in die Zukunftsarbeit einzubinden.

Diese Empfehlung basiert auf dem Ergebnis der Studie, dass gerade bei besonders erfolgreichen Unternehmen die Mitarbeiterbeteiligung an Corporate Foresight sehr hoch und gleichermaßen ausgeglichen ist. Zudem empfiehlt Burmeister, auch in fremden Branchen sowie in der gesellschaftlichen Entwicklung Impulse für das künftige Geschäft zu suchen.

 

In mehreren Studien blickte FAZIT bereits in die Zukunft
Forschungsprojekt FAZIT gibt Orientierung

Genau diesen Blick über den Tellerrand hinaus wagt das von der MFG Stiftung Baden-Württemberg getragene Forschungsprojekt FAZIT. Zur Identifikation von neuen Märkten für IT und Medien setzt FAZIT auch auf einen mehrstufigen Foresightprozess. Dieser besteht aus drei Delphi-Studien, einem Szenarioprozess sowie einer Road Map. Verantwortet wird die Durchführung der Studien vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das neben dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsförderung (ZEW) Forschungspartner des Projekts ist.

Dr. Simone Kimpeler, Leiterin des Geschäftsfelds Informations- und Kommunikationstechniken am Fraunhofer ISI: „In FAZIT untersuchen wir, welche Informationstechnologien in Zukunft in der Wirtschaft, Wissenschaft und im Alltag eingesetzt werden. Mithilfe der Foresightmethoden können wir unter anderem identifizieren, welche Herausforderungen sich daraus beispielsweise für den Mittelstand ergeben.“ So liefern die Foresightergebnisse von FAZIT wertvolle Anhaltspunkte, welche spezifischen Maßnahmen Unternehmen in ihrer Strategieentwicklung und ihrem Innovationsprozess effektiv einsetzen können.

Bei dem Interview handelt es sich um einen Auszug aus der aktuellen Ausgabe unseres MFG-Magazins do it! Das Magazin kann kostenlos unter redaktion@mfg.de angefordert werden.

 




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