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Das Internet der Alltagsgegenstände
26.11.2008

 

Künftig stehen für jeden Quadratmillimeter Erdoberfläche rund 667 Billiarden IP-Adressen zur Verfügung. Genügend um im Internet der Dinge alles vom Sportschuh über Autos bis zu Bäumen mit einer eigenen Internetadresse auszustatten – und diese selbständig miteinander interagieren zu lassen. Bereits in weniger als zehn Jahren könnte es soweit sein.

 

Intralogistik - künftig intelligent und elektronisch. Foto: MFG/fotolia
Die Vision vom Kühlschrank, der selbständig Bier übers Internet bestellt, wenn die letzte Flasche entnommen wurde, ist allem Wunschdenken zum Trotz so abgegriffen wie fragwürdig. Diese Erzählung gibt es in unzähligen Ausführungen seit  vielen Jahren. Und dennoch: Die elektronische Verbindung von Alltagsgegenständen steht vor ihrer Realisierung. 'Internet der Dinge' nennt sich diese Vernetzung, die darauf abzielt, dass jegliche Gegenstände – ausgestattet mit einer eigenen Intelligenz – sich selbständig untereinander austauschen und schrankenlos zusammenarbeiten. In der unternehmensinternen Logistik können Waren ihre Prozessabläufe künftig eigenständig organisieren: Mit entsprechenden Chips versehen bahnen sich die Pakete und Paletten ihren Weg dann selbst auf Transportbändern und durch Sortiermaschinen hin zum Lagerplatz oder zur Laderampe.

Vernetzte Möbelstücke

Bestückt werden könnten die Pakete und Gegenstände beispielsweise mit RFID-Chips. Neu ist eine solche Kennzeichnung freilich nicht, hat die Radio Frequency Identification (RFID) doch bereits in vielen Anwendungsgebieten wie der Lagerlogistik, der Zugangskontrolle, in Abrechnungssystemen, in Bibliotheken oder in der Tierkennzeichnung Einzug gehalten. Künftig kann über Lagerwaren hinausgehend jeder Gegenstand eine solche elektronische Kennzeichnung erhalten: Fernseher, Autos, Stromzähler, Bäume, Tiere, Kleidungsstücke, Schuhe und eben auch Kühlschränke und Bierflaschen.

Mit Funkchips versehene Produkte könnten lückenlos aufzeigen, wo diese herstammen und welchen Weg sie in den Supermarkt zurückgelegt haben. Am Ladenregal könnten Allergiker auf dem Mobiltelefon angezeigt bekommen, ob das gewünschte Lebensmittel mit den eigenen Unverträglichkeiten kompatibel ist. Und pflegebedürftige Menschen können in den eigenen vier Wänden dank vernetzter Möbelstücke und Teppiche überwacht werden. Etwaige Stürze erkennt das System und ruft eigenständig nach Hilfe.

 

RFID als eine Möglichkeit zur Vernetzung
Die Einsatzmöglichkeiten sind mannigfach, die für die Umsetzung benötigten Internetadressen hingegen nicht, sollte tatsächlich die Mehrzahl von Alltagsgegenständen eine eigene Adresse bekommen und mit dem Internet verbunden sein. Mit dem derzeitigen Internetprotokoll IPv4 gibt es insgesamt lediglich 4.294.967.296 (4,3 Milliarden) mögliche IP-Adressen. Doch der Nachfolger befindet sich bereit im Aufbau: Das neue Internetprotokoll IPv6 ermöglicht die schier unvorstellbare Menge von 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456 (340 Sextillionen) IP-Adressen. Oder anders ausgedrückt: Für jeden Quadratmillimeter Erdoberfläche stehen künftig rund 667 Billiarden Adressen zur Verfügung.

Bis 2015 Realität

Hausgeräte mit eigener Intelligenz? Was derzeit noch nach ferner Zukunftsmusik klingt, steht einer Verwirklichung näher als landläufig angenommen. Das Forschungsprojekt FAZIT befragte Experten in einer Delphistudie nach der Realisierbarkeit des Internets der Dinge. Bis zum Jahr 2015, so rechnen die Experten, sind viele Geräte und Alltagsgegenstände wie Waschmaschinen, Autos und Sportschuhe direkt über das Internet lokalisier- und steuerbar. Bis diese dann auch intelligent und eigenständig interagieren, das halten die befragten Experten zum Jahr 2017 für möglich. Herausforderungen sehen sie bis dahin vor allem im Ausbau der technischen Infrastruktur, der Gewährleistung des Datenschutzes sowie in der Kostenreduktion etwa für RFID-Chips.

Wertvolle Zukunftschancen in der elektronischen Vernetzung der Lebens- und Arbeitswelt erkannte auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Über sein Technologieprogramm NextGenerationMedia fördert das BMWi Insgesamt elf Projektverbünde aus der Produktion, Logistik, Konsumelektronik und Gesundheitsversorgung. Unlängst präsentierten diese auf der Konferenz 'Internet der Dinge' zukunftsweisende Lösungen und Vorstellungen für die Märkte von morgen.

 

Szenario Fahrzeugkommunikation. Bild: car-2-car.org
Der Gefahrenwarner

Massenkarambolagen ein Ende bereiten könnte künftig die Car2Car-Kommunikation (oder auch Car-to-Car-Communication). Schon heute weiß ein Auto mehr über die Straßenverhältnisse als der Fahrer selbst, denn Systeme wie ABS und ESP sammeln unermüdlich Daten. Diese werden sie künftig mit anderen Fahrzeugen und der naheliegenden Straßeninfrastruktur austauschen. Das ermöglicht wiederum eine schnelle und frühzeitige Information über potenzielle Gefahrensituationen im Straßenverkehr. Insbesondere an Stauenden, Unfallstellen oder bei Fahrbahnglätte können damit Unfälle vermieden werden.

Im August diesen Jahres hat die Europäische Kommission eine Grundlage für die Fahrzeugkommunikation geschaffen, indem sie ein EU-weit einheitliches Frequenzband reserviert hat. Zahlreiche Autobauer wie Volkswagen, Fiat und Daimler sowie Forschungsreinrichtungen wie die Universitäten Karlsruhe und Ulm entwickeln bereits eine einheitliche Technik für die Car2Car-Kommunikation.

Autor: Jürgen Pfeifle

 




Downloads
Links

FAZIT-Schriftenreihe Band 10: Delphi-Report - Zukünftige Informations- und Kommunikationstechniken (PDF; 1,09 MB)
Delphistudie zum Durchklicken bei FAZIT Forschung
BMWi-Programm 'next generation media'
Car 2 Car Communication Consortium
DruckversionVersenden 

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