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Handauflegen statt Schlüsselumdrehen
11.02.2009

 

IT-basierte Sicherheitssysteme werden im Jahr 2020 nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens durchdringen: RFID-Chips ersetzen Wohnungsschlüssel, intelligente Erkennungssoftware identifiziert herrenlose Gepäckstücke und auf öffentlichen Plätzen überwachen Tausende von Kameras jegliches Geschehen. Aber wird die Bevölkerung die neuen Technologien auch durchgehend akzeptieren?

 

Videoüberwachung wird zunehmen. Bild: aboutpixel.de/Norbert Anspach
Im Jahr 2020 werden IT-basierte Zugangs-, Identifikations- und Überwachungssysteme in beinahe allen Bereichen des täglichen Lebens Standard sein. Das zeigen fünf Anwendungsszenarien künftiger Sicherheitstechnologien, die das Forschungsprojekt FAZIT (www.fazit-forschung.de) entworfen hat. Für die Studie "Sicherheit durch IT" wurden aktuelle Gefahrensituationen in die Zukunft projiziert und Technologien, die heute noch in der Entwicklung sind, als einsetzbar gedacht. Demnach haben die Sicherheitstechnologien künftig die unterschiedlichsten Aufgaben zu erfüllen, wie den Schutz vor terroristischen Anschlägen, die Reduzierung von Verkehrsunfällen und die Verhinderung von Identitätsdiebstählen im Internet.

Bitte recht freundlich

Die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, in Bahnhöfen, Zügen oder Einkaufszentren wird im Jahr 2020 so umfassend sein, dass die Flut an Bilddaten nicht mehr von Menschen gesichtet werden kann, sondern von Computern auf verdächtige Personen und Objekte untersucht wird. Intelligente Software ist dann in der Lage, herrenlose Gepäckstücke zu erkennen und auch bei schlechten Lichtverhältnissen Gesichter von Passanten mit den Profilen von Straftätern abzugleichen. Ebenso weit verbreitet werden Biosensoren sein, die gefährliche biologische und chemische Stoffe wie Sprengstoff aufspüren können und rechtzeitig Alarm auslösen.

 

Zutrittskontrolle mit Fingerabdruck. Bild: Kaba
Für eine höhere Sicherheit werden die Menschen weitgehend akzeptieren müssen, dass sie an öffentlichen Plätzen unbeobachtet überwacht werden. Genauso wie sie sich an Sicherheitsschleusen – wie man sie heute schon vom Flughafen kennt – an öffentlichen Einrichtungen oder in U-Bahnhöfen zu gewöhnen haben. Ohnehin werden digitale Zutrittskontrollen ungemein an Bedeutung gewinnen. In Unternehmen, an Hotelzimmern oder der eigenen Wohnungstür werden herkömmliche Schlüssel weitgehend ausgedient haben. Zugang erhalten die Berechtigten dann mit Chipkarten oder RFID-Transpondern, auf denen die biometrischen Daten wie Stimme, Fingerabdruck und Gesichtszüge gespeichert sind.

Die Sicherheit fährt mit

Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr werden bis zum Jahr 2020 Fahrerassistenzsysteme der Standard sein, wie die FAZIT-Anwendungsszenarien zeigen. Sind diese Systeme heute noch vereinzelt im Einsatz, begleiten sie den Autofahrer künftig wie selbstverständlich. Die Technologien wie Spurwechselwarnung, Verkehrzeichen- oder Toter-Winkel-Erkennung werden dann direkt auf die Frontscheibe projiziert.

Die Fahrerassistenzsysteme werden um zusätzliche Komponenten wie die automatische Bildverarbeitung ergänzt und sind dann in der Lage, Bilddaten zu interpretieren und die Informationen von einer Vielzahl von Sensoren sinnvoll zusammenzufügen. Drahtlose Kommunikationssysteme liefern zusätzliche Informationen, um in der Nähe befindliche Fahrzeuge zu erkennen und mit ihnen automatisch in Verbindung zu treten.

 

Ist dieser Blick bald Vergangenheit? Bild: aboutpixel.de/Mosquita
Damit wäre die Grundlage für eine autonome Steuerung von Kraftfahrzeugen geschaffen. Allerdings ruft eine solche Abgabe der Kontrolle über das eigene Fahrzeug noch einige versicherungstechnische Fragen auf. Auch könnte eine Barriere die Koordinierung der Übergangszeit darstellen. Vor allem die Car-to-Car-Kommunikation ist darauf angewiesen, dass alle verkehrsteilnehmenden Fahrzeuge mit den neuen Systemen ausgestattet sind.

Oftmals eine Frage der Bedrohungslage

Nicht alles, was bis zum Jahr 2020 technisch realisierbar ist, wird die Bevölkerung auch ohne weiteres akzeptieren. Dies wurde unlängst am Widerstand gegen den als Nacktscanner bekannt gewordenen Körperscanner deutlich, der nach Plänen der EU-Kommission europaweit hätte an Flughäfen zum Einsatz kommen können. Das Gefühl von Sicherheit geht nicht selten mit der Angst vor Überwachung und Datenmissbrauch einher. Wichtig für die Akzeptanz ist der eigene Mehrwert, den die Bürger für sich erkennen, z.B. wenn Besitzer eines speziellen RFID-Ausweises bei Personenkontrollen schneller abgefertigt werden können.

 

Hier ist die Videoüberwachung bereits Usus. Bild: aboutpixel.de/Dr. fite
In der öffentlichen Sicherheit hängt die Akzeptanz von Überwachungstechnologien zudem von der jeweils aktuellen Bedrohungslage ab. Bei akuten Terrorwarnungen sind die Bürger eher bereit, überwachende Sicherheitsmaßnahmen, z.B. Videoaufnahmen öffentlicher Plätze oder elektronische Chips im Reisepass, mitzutragen.

Dennoch erscheinen vom heutigen Standpunkt aus viele Entwicklungen im Jahr 2020 gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Die FAZIT-Anwendungsszenarien sind nicht als Blick in die Glaskugel gedacht, sondern vielmehr als Diskussionsgrundlage über den Einsatz von Erkennungs-, Zugangs- und Überwachungssysteme zu verstehen. Keinen Zweifel hingegen gibt es daran, dass Sicherheit durch IT ein Zukunftsmarkt ist und grundlegende Veränderungen in allen Lebensbereichen mit sich bringen wird.

Autor: Jürgen Pfeifle


Die fünf Anwendungsszenarien werden ausführlich im Band 14 "Sicherheit durch IT" der FAZIT-Schriftenreihe dargestellt. Der Bericht kann untenstehend oder auf www.fazit-forschung.de kostenlos heruntergeladen werden.

 




Downloads
Links

FAZIT-Schriftenreihe Band 14: Sicherheit durch IT (PDF; 2,16 MB)
FAZIT Forschung: Sicherheit durch IT
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