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E-Learning 2.0 in Unternehmen: Wenn Lernende zu Experten werden
06.07.2009

 

Lernen über das Internet, interaktiv und unabhängig von Raum und Zeit, ist längst zum festen Bestandteil vieler Weiterbildungsangebote geworden. Die Bestimmung der Lerninhalte jedoch gleicht oft noch einer Einbahnstraße, auf deren Schwerpunkte der Lernende wenig Einfluss hat. Durch das Vordringen von Web-2.0-Technologien wie Blogs, Wikis und Podcasts in E-Learning-Systemen ändert sich das.

 

MFG-Ringvorlesung in „Second Life“
Maik Manthey hat Elektrotechnik und Informatik studiert und leitet den Bereich Geschäftsentwicklung bei Linde Materials Handling in Augsburg, einem Logistikzweig. Um auf diesem Feld weiterzukommen, absolviert er mit Unterstützung seines Arbeitgebers den Master-Online-Studiengang Logistikmanagement der Universität Stuttgart. Reinen Lernstoff erarbeitet er sich im Internet oder auch offline während seiner zahlreichen Flüge. Wenn es aber komplex wird, trifft sich der 32-Jährige mit anderen Lehrgangsteilnehmern im virtuellen Besprechungsraum „Vitero“, einer Plattform, die Online-Besprechungen und Live-Seminare im Internet ermöglicht. „Bei den virtuellen Treffen lassen sich Fachfragen auf sehr hohem Niveau diskutieren; auch die Professoren beteiligen sich daran“, berichtet Manthey. Zudem kann er die Erklärungen später erneut abhören. „Für das Verständnis ist das sehr effektiv.“

 

Effektiv Lernen mit Online-Studiengängen. Bild: Universität Stuttgart
Wiki als gemeinsames Lexikon

Auch bei der MFG Baden-Württemberg, bei der man die Potentiale von Social Software bereits 2007 im Rahmen einer Fazit-Studie erforscht hat, werden Seminare zunehmend als Webinare im virtuellen Konferenzraum angeboten; Präsenzvorträge kann man per Livestream auf der Second Life-Plattform der MFG, dem Innovationspark, live miterleben. Darüber hinaus nutzen MFG-Mitarbeiter Web 2.0 auch im internen Wissensmanagement. So erstellen sie gemeinsam ein unternehmensinternes Wiki, das wie ein Lexikon genutzt wird. Online-Forum, Chat und Micro-Blog tragen darüber hinaus dazu bei, aktuelle Informationen auszutauschen und gemeinsam Ergebnisse zu erarbeiten. Ziel ist es, den Wissensaustausch und die Interaktion unter den Kollegen zu fördern.

Technik alleine genügt nicht

Standard- oder Open-Source-Software haben den Einsatz von Web 2.0 stark beflügelt. Doch Technik alleine reicht nicht. „Enterprise 2.0 ist eine Einstellung“, stellt Arne Schümann von Festo Didactic, der Weiterbildungssparte des Esslinger Automatisierungs-Spezialisten, fest. Das Unternehmen hat ein mehrstufiges didaktisches Konzept entwickelt, das auf das Wir-Gefühl der Menschen abzielt. Es basiert auf Themengruppen, in denen sich die Mitarbeiter strukturieren und miteinander vernetzen. Nach einem physischen ersten Treffen geben sich die Teams konkrete Aufgaben, die mit Unterstützung durch einen Coach auf einer leicht zu bedienenden virtuellen Plattform gemeinsam bearbeitet werden. Mit Erfolg: Bereits sechs Monate nach Projektbeginn waren die Gruppen stark gewachsen und vernetzten sich untereinander; neue Gruppen bilden sich mittlerweile völlig selbstständig.

 

E-Learning 2.0 vernetzt Expertentum. Bild: Hofschlaeger/pixelio
Lernen und Wissensmanagement zusammenführen

Wie das Potential des selbstorganisierten Lernens weiterentwickelt werden kann, untersuchen das Elektro-Technologie-Zentrum (ETZ) Stuttgart und das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologie-Management (IAT) im Rahmen der Studie sol2.0. Ziel ist es, Bildungsmaßnahmen und das Lernen am Arbeitsplatz besser zu vernetzen und somit die Trennung von Lernen und Wissensmanagement zu überwinden. Als Pilotprojekt dient ein IHK-Lehrgang für Ausbilder. „Gerade in diesem Fortgeschrittenenbereich ist viel Wissen bei den Teilnehmern vorhanden“, sagt Josephine Hoffmann, Projektleiterin beim IAT. „E-Learning 2.0 birgt die Chance, dieses Expertentum stärker in die Lernangebote einzubinden.“

Konkrete „Konzepte für den Einsatz von Web-2.0-Instrumenten in der Aus- und Weiterbildung“ werden im Rahmen eines MFG-Seminars am 21.Oktober 2009 vorgestellt. Fragen um den Einsatz von Web 2.0-Instrumente in der Aus- und Weiterbildung werden anhand eines Fallbeispiels und auf der Basis von Bildungstheorien sowie didaktischer Methoden und Szenarien aufgegriffen und diskutiert. Der praktischen Anwendung von Web-2.0-Instrumenten in der Aus- und Weiterbildung wird dabei ein großer Stellenwert eingeräumt.

Autorin: Andrea Mayer-Grenu

 




Downloads
Links

FAZIT-Studie „Potenziale von Social Software“ [PDF; 1,61 MB]
Studiengang Master Online Logistikmanagement
Virtueller Teamraum
Festo Didactic
Elektro Technologie Zentrum
MFG Innovationpark
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