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Das geballte Wissen der Web-2.O-Vordenker im Land
30.9.2008

 

Ob Webstandards, rechtliche Fragen oder das Produzieren von Podcasts: Am Wochenende haben die Teilnehmer des ersten Stuttgarter BarCamps zu fast allen Fragen rund um das Web 2.0 ein passendes Angebot gefunden. Die Erwartungen der Veranstalter des Treffens für Blogger, Startup-Unternehmer und Marketingexperten wurden bei weitem übertroffen.

 

Die Tagesordnung entsteht, indem alle mitwirken
Podcasts sind kinderleicht. Das sagt sich so einfach. Dass es stimmt, hat einer der prominentesten Blogger in Baden-Württemberg, Oliver Gassner aus Vaihingen an der Enz, am Wochenende beim ersten Stuttgarter BarCamp eindrücklich bewiesen. Er hat während der Veranstaltung mit seinen Kindern live einen Podcast erstellt. Diese Demonstration ist nur eines von mehr als 50 Angeboten gewesen, welche die Web-2.0-Community am Wochenende in den Räumen der MFG Baden-Württemberg, der Innovationsagentur des Landes für IT  und Medien, nutzen konnte.

Wenn Teilnehmer zu Referenten werden

An einem BarCamp teilnehmen bedeutet sich aktiv einbringen, und nicht einfach nur das von einem Referenten dargebotene Wissen zu konsumieren. Darin besteht für die kreativen Köpfe des Web 2.0 der Hauptunterschied zu einer klassischen Konferenz – und darum nennen sie ihr Treffen auch eine Unkonferenz. Die Tagesordnung entsteht, indem alle mitwirken. Eine Liste von so genannten Sessions wird ausgehängt. Auf dem Stuttgarter BarCamp fanden sich darunter Themen wie die Blogs französischer Politiker und die Blogfaulheit ihrer deutschen Kollegen, Anwendungsmöglichkeiten von i-Phones, Web Standards, die Einführung von Wikis in Unternehmen oder die Haftung für fremde und eigene Kommentare in Blogs.

 

Teilnehmer bringen sich aktiv in das Konferenzgeschehen ein
Wie im Netz, so auf dem BarCamp

Das BarCamp ist für die Initiatoren die Abbildung des Web 2.0 in der realen Welt: „Wir bieten mit dem Camp quasi nur die Plattform, die Inhalte kommen von den Nutzern“, erklärt Jan Theofel. Als Bild dafür, wie sich die Mitmacher verhalten, fallen ihm die Kaffeemaschinen ein, die von einem Sponsor finanziert worden sind. „Die gehören niemandem, stehen aber für alle BarCamps in Deutschland zur Verfügung“, sagt er. Da ist die Solidarität aller Beteiligten gefragt, in diesem Fall ist es die Hilfsbereitschaft Jan Theofels.

Das nächste BarCamp findet am kommenden Wochenende in München statt. „Da werde ich wohl die Kaffeemaschinen hinfahren“, sagt er. Doch nicht nur die Kaffeemaschinen wechseln den Nutzer. „Wir haben für die Veranstaltung ein Programm geschrieben, das die Namensschilder der Teilnehmer verwaltet und druckt. Das stellen wir natürlich ins BarCamp-Wiki“, sagt Jan Theofel. Das sind alles Selbstverständlichkeiten in der Community. Ein Selbstläufer scheint indes das Stuttgarter BarCamp zu sein. Erste Rufe nach einer Wiederholung waren schon laut geworden, bevor es begonnen hatte. „Leute, die keinen Platz mehr bekommen haben, schrieben mir, sie würden dann einfach im nächsten Jahr kommen“, sagt Mitorganisator Carsten Ulbricht.

 

Am Rande der Veranstaltung werden Erfahrungen und Tipps ausgetauscht
Neuartiges Konferenzformat erstmals in Stuttgart

Das Konferenzformat des BarCamps ist seit nunmehr gut zwei Jahren in Deutschland bekannt. Es ist ein Treffen aller Interessierten, die im Web 2.0 in einer seiner vielfältigen Möglichkeiten tätig sind – ob als Blogger, Programmierer, Journalist, Online-Marketingexperte oder mit einem Startup-Unternehmen. Das Organisationsteam des Stuttgarter BarCamps bietet daher einen beinahe repräsentativen Querschnitt durch das Volk der BarCamper. Jan Theofel, von Beruf Softwareentwickler, schreibt in seinen Blogs über Technik und über das Kochen. Sein Kollege Markus Espenhain ist Geschäftsführer des Softwareunternehmens, für das Jan Theofel arbeitet, und bloggt ebenfalls. Der dritte im Bunde, Dr. Carsten Ulbricht, ist Jurist und einer der wenigen Anwälte, die sich bereits mit den juristischen Fragen des Web 2.0 befassen. Mit diesen Fragen befasst er sich auch in seinem Blog. Vom Erfolg des von ihnen angeregten BarCamps sind die drei überwältigt. Bereits wenige Stunden, nachdem sie es im Netz angekündigt hatten, waren rund 80 Anmeldungen eingegangen. Nur wenige Tage später waren die 200 Plätze ausgebucht. Die Themenlisten für die Sessions füllten sich ebenfalls im Handumdrehen.

Das größte deutsche BarCamp findet in Berlin statt, das erste in Baden-Württemberg fand vor wenigen Wochen am Bodensee statt. „Stuttgart hat dringend ein BarCamp gebraucht“, kommentieren die Initiatoren den guten Anklang in der Web-2.0-Szene des Landes. Die MFG Baden-Württemberg als Partner kam ihnen sofort in den Sinn, schließlich haben sowohl Jan Theofel als auch Carsten Ulbricht ihre ersten Impulse, sich mit dem Web 2.0 auseinanderzusetzen, bei Veranstaltungen der Innovationsagentur bekommen.

Autorin: Christine Bilger

 




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