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Auf der Spielwiese des E-Commerce 27.1.2010
Im E-Commerce schlägt der Kleine schon mal den Großen, denn flexible Geschäftsmodelle entscheiden im heutigen Wettbewerb über die erfolgreiche Kundenansprache. Im Interview beleuchtet Andreas Schwend, Managing Partner bei der Stuttgarter dmc digital media center GmbH, Trends wie Social Networks, Twitter und Mobile Commerce.
Herr Schwend, wenn wir die Quelle-Pleite anschauen sieht man, dass wir deutlich auf einen drastischen Verdrängungswettbewerb im E-Commerce zusteuern. Oder sind wir schon mitten drin?
Andreas Schwend: Ich denke, wir sind schon mitten drin. Quelle als traditioneller Vollsortimenter hat die Gesamtthematik Spezialisierung nicht so mitgemacht, wie es andere gerade tun. Und wir haben dort immer noch eine gewisse Katalogzentrierung. Wir sehen das in Beratungsgesprächen immer wieder, dass die ganzen Prozesse gar nicht darauf ausgelegt sind, neue, flexible Geschäftsmodelle aufzubauen. Von der Idee, die von oben kommt bis zur Basis, die das umsetzen soll. |
| Andreas Schwend, Managing Partner, dmc digital media center GmbH (Foto:dmc) |
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Das heißt, die Neuen schießen rechts und links an den traditionellen Häusern vorbei und die können sich nicht schnell genug bewegen.
Schwend: Genau. Der Ansatz im E-Commerce ist immer schon: Die Schnellen schlagen die Langsamen, nicht die Großen schlagen die Kleinen. Logischerweise braucht man eine gewisse Kapitalausstattung für die Teilnahme am Wettbewerb. Es ist nicht für Nichts zu haben. Aber im Grundsatz sehe ich schon immer stärker die Spezialisten kommen, die auch eine ganz andere Art haben, Kunden anzusprechen. Von daher denke ich mal, dass jemand, der als klassischer Vollsortimenter an den Start geht und sich nicht diversifiziert, auf Dauer schwer haben wird.
Wenn man Otto anguckt, hat man das Gefühl, denen gelingt die Spezialisierung besser als anderen. Oder ist das nur Marketing?
Schwend: Ja, ich würde sagen, dass Otto auf einem guten Weg ist. Es sind mit die Besten. Neckermann geht einen anderen Weg. Die orientieren sich Richtung Handelsplattform und werden ein E-Marketplace - öffnen sich also komplett. Otto spielt ein Stück weit mit den Zielgruppen. Die haben ihre Prozesse so weit im Griff, dass sie in der Lage sind, Projekte wie Smatch (Produktsuche für Mode, Wohnen und Lifestyle-Produkte) oder Sheego (Spezial-Mode-Portal für Übergrößen)) aufzusetzen und damit Erfahrungen zu sammeln. Grundsätzlich sind das natürlich nicht die Dinge, mit denen große Umsätze gefahren werden, aber ich denke, der Wille da mal anders ranzugehen als beim klassischen Kataloghandel, der ist auf jeden Fall da.
Lassen Sie uns mal ein paar Trends der letzten Jahre durch deklinieren. Wie sieht es im Bereich Social Commerce mit Gruppenkauf aus. Das ist doch ein ideales Thema für StudiVZ und Co.
Schwend: Das haben wir ja bereits gesehen. Es hieß LetsBuyit.com. Hat damals nicht so richtig funktioniert. Ich glaube, dass das ein ganz großes Thema für die Social Networks ist. Die Community bündeln und gemeinsam an einen Händler oder Hersteller herantreten, der uns dann das Produkt, das wir alle gerne hätten, geben kann. Das halte ich für ein absolut interessantes Thema.
Wie steht es mit dem Thema LiveShopping?
Ich denke, dass es eine natürliche Grenze gibt, wie viele LiveShopping-Angebote der deutsche Markt verträgt. Guut.de ist ein prominentes Beispiel. Es wird auf Dauer eine Begrenzung auf Kundenseite geben. Man will sich nicht immer überall anmelden. Aber es wird auch nicht ausreichend Markenhersteller geben, die jede Form von LiveShipping-Portal bedienen werden. Und ich glaube, dass Marken selbst solche Angebote auf die Reise bringen können, wenn sie ihre Aktivitäten im E-Commerce verstärken.
Nächster Trend: Twitter als Verkaufshelfer? Ja oder Nein?
Schwend: Ich kann mir das gut vorstellen. Als integralen Bestandteil der Kommunikation mit ganz bestimmten Zielgruppen. Der Anbieter ist nur gehalten, das auch verantwortungsvoll zu tun. Sobald es in Richtung Spam geht, werden die Leute es nicht benutzen. Auch ein Feed von Aldi findet mit Sicherheit eine Menge Interessenten, die über aktuelle Angebote auf dem Laufenden gehalten werden wollen. Ganz klar positive Einschätzung an der Stelle, obwohl ich selbst nicht der große Twitterer bin.
Würde die gleiche Einschätzung auch für Social Media und zum Beispiel ShoppingWidgets gelten?
Schwend: Auch das ist spannendes Thema. Hier kommt es vor allem darauf an, ob es den Backend-Systemen gelingt, die Profildaten sauber auszuwerten und das passende Angebot gut zu präsentieren. Für spezielle Segmente ist das ein interessantes Thema.
Ist Ihnen in letzter Zeit mal ein spannender Ansatz begegnet? |
Schwend: Ganz ehrlich? Im Widgetbereich noch nicht.
Und generell bei Social Media und Twitter?
Schwend: Twitter bedingt. Die Aldi-Geschichte ist nicht schlecht. Dell ist ein gutes Beispiel, das man adaptieren kann. Bei Facebook muss man sehen. Noch ist man auf dem Level Fan-Seiten. Der Shoppingbereich kommt langsam. Es ist eher noch eine Spielweise.
Spielwiese, schönes Thema. Was ist mit InGame-Advertising und ItemSelling?
Schwend: Ja, ist mit Sicherheit interessant. Aber wir haben mittlerweile einen starken Banner-Blindness-Effekt und der ist – zumindest bei mir, ich spiele auch ab und zu – bei Games sehr stark gegeben. Ich sehe die Banner wohl, blende sie aber aus. Sie sind für mich wie der Baum oder der Berg, an dem ich vorbeifahre. Interessantes Thema, aber das wird wohl nicht der Riesen-Hype. Wir kriegen ohnehin genügend Werbebotschaften.
Mobile?
Schwend: Von Mobile halte ich sehr viel.
Tatsächlich? Wer will denn Werbung haben auf seinem iPhone?
Schwend: Ob es Werbung sein muss, halte ich auch für fraglich. Aber wenn man die Idee lokaler Dienste betrachtet, halte ich Mobile für einen interessanten Treiber für Offline. Wir reden ja sehr viel über Multi-Channel, aber so richtig gute Beispiele oder Lösungen gibt es nur wenige. Mobile kann da ein Kanal sein, der Offline wieder sehr stark aktiviert. Und Mobile kann sehr gezielt Drive-to-Web oder Drive-to-retail aktivieren. Und dann ist es natürlich die Frage, welchen Nutzen stiftet es mir, wenn ich die Informationen auf mein iPhone bekomme? Wenn ich mich als Tommy-Hilfiger-Fan geoutet habe, dann möchte ich vielleicht über bestimmte Angebote informiert werden, wenn ich in die Nähe eines Shops komme. Vielleicht gibt mir Tommy Hilfiger auch etwas dafür, dass ich mich als Fan geoutet habe. Aber das muss sehr zielgerichtet stattfinden.
Am Anfang steht also eine sinnvolle App. Die Marketinginformation wird dann hinterher geschoben.
Schwend: Genau. Am Anfang stehen sinnvolle Anwendungen, dann wird es Anwendungen geben, die die sinnvollen Anwendungen bündeln. Und schließlich kann man vielleicht mit mobilen Loyalty-Programmen gewisse Dinge bonifizieren.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schwend.
Bei dem Interview handelt es sich um einen Ausschnitt. Das volle Interview steht online als Audio-File zur Verfügung. |
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