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Medienkunst in Baden-Württemberg
Seit dem Aufkommen der digitalen Medienkunst haben sich vor allem Kulturinstitutionen in Baden-Württemberg um die Produktion, Präsentation, Sammlung und Weiterentwicklung dieser neuen Kunstgattung verdient gemacht. Wie bereits im Spätmittelalter in den Anfängen des Buchdrucks hat die Region Oberrhein an einer erneuten Kultur- und Medienrevolution, diesmal der digitalen Revolution, entscheidenden Anteil.
| Installation "Web of Life" |
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Insbesondere die Städte Straßburg, Sélestat, Offenburg, Basel und Karlsruhe sind anerkannte Orte des interkulturellen Austauschs, sowohl in allen Zweigen der neuen Technologien und des IT-Bereichs als auch in der Übertragung und Nutzung dieser Gebiete in der künstlerischen Produktion. Zu Recht kann daher der Oberrhein als Medienregion par excellence bezeichnet werden: eine Region, die mit wissenschaftlichen und künstlerischen Forschungen, Produktionen und Präsentationen auf die schnellen Entwicklungen der Kommunikations- und Informationstechnologien antwortet und am damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel in vorderster Linie teil hat.
Karlsruhe, die ehemalige Hauptstadt Badens, ist als Zentrum der gleichnamigen Technologieregion Karlsruhe heute nicht nur ein anerkannter Technologiestandort, sondern mit seinem ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie auch Deutschlands Metropole der Medienkunst.
Medienkunst als Kunstgattung
Im Grunde genommen ist jede Kunst Medienkunst, denn Kunst bedient sich immer eines oder mehrerer Medien. Auch wenn wir den Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch enger fassen, lässt sich "Medienkunst" nicht auf elektronische und digitale Medien eingrenzen. Sie besitzt ältere Wurzeln in den Bereichen der Fotografie, des Experimentalfilms, der Lichtkunst und wird spätestens mit der Avantgarde der zwanziger Jahre in Europa sichtbar und erlebbar.
Wenn wir seit den siebziger Jahren in einem noch engeren Sinne von Medienkunst sprechen, so ist die Kunst gemeint, die entweder bei ihrer Produktion und/oder ihrer Präsentation elektronische Medien, insbesondere den Computer benötigt. Die rasante Entwicklung und Verbreitung der Computertechnologie sowie der globalen elektronischen Vernetzung gaben den Künstlern neue machtvolle Werkzeuge in die Hand und damit die Möglichkeit, Konzepte zur Partizipation des Betrachters am Kunstwerk der 60er und 70er Jahre mit technologischen Mitteln neu umzusetzen. So sind nahezu übergangslos zu den bewegten Objekten der Kinetischen Kunst und der Op-Art, die mit optischen Effekten ihrerseits den Betrachter bewegt, vielfältige Video- und Computerinstallationen entstanden. Seit 30 Jahren entwickeln sich diese seither parallel zur Evolution der Computerspiele, bei denen sich der Betrachter mittels Dateninterface wie Mouse, Joystick, Helm oder Datenhandschuh durch zwei- oder dreidimensionale Projektionen bewegt und mit virtuellen Objekten interagiert. |
| Peter Weibel, Leiter des ZKM in Karlsruhe |
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Experimentalfilm, Expanded Cinema, Videobänder, Videoinstallationen, Closed Circuit Installationen, Videoperformances, Computerkunst, Computergraphik, Computeranimation, Web Art, Sound Art, Multimedia-Installationen und –Performances, Netradio und Net-TV, Live-Broadcast, VJ-Raves bis hin zu Fon- und Faxart können zur Gattung der Medienkunst gezählt werden. Schließlich sind mit der Breitband-Mobiltelefonie und der Beschleunigung der Datenübertragung über das Internet Kommunikationsformen entstanden, die Millionen Menschen über Kontinente hinweg in Echtzeit verbinden und von vielen Künstlern heute als Instrumente für neue partizipatorische Formate genutzt werden. Jeder, der über den Zugang zum Internet und die entsprechenden Kenntnisse verfügt, kann an diesen neuen Aktions- und Kunstformen partizipieren und somit vom Konsumenten zum Produzenten von kulturellen Inhalten werden.
Im ZKM pulsiert das Herz der Medienkunst
Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe bildet als weltweit einzigartige Kulturinstitution eine Schnittstelle zwischen Produktion und Forschung, Ausstellung und Veranstaltung, Vermittlung und Dokumentation. Von der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Württemberg 1989 gegründet, wird es seit 1999 von dem renommierten Kunst- und Medientheoretiker Peter Weibel geleitet. Sein Credo: „Das ZKM ist das Max-Planck-Institut der Avantgarde-Kunst.“ In Theorie und Praxis setzt sich das international wirkende Haus mit den neuen Medien auseinander, erprobt mit Eigenentwicklungen ihr Potenzial, stellt mögliche Nutzungen exemplarisch vor und setzt sich kritisch mit der Gestaltung der Informationsgesellschaft auseinander.
In den Forschungsinstituten des ZKM haben seit 1989 mehr als 500 Gastkünstlerinnen und -künstler aus aller Welt eine Vielzahl hochbeachteter Werke hervorgebracht, die nach ihrer ersten Präsentation im ZKM weltweit in Biennalen, Festivals und in Ausstellungen gewürdigt worden sind und damit seit zwei Jahrzehnten das Gesicht der Medienkunst entscheidend mitgeprägt haben. Durch die kontinuierliche Übernahme dieser Produktionen und Werke in seine Sammlungen besitzt das ZKM heute eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen interaktiver Medienkunst. |
| Im Foyer des ZKM Karlsruhe |
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Aktive Gestaltung der Zukunft
Das ZKM verfügt über vielfältige Möglichkeiten zur Entwicklung von interdisziplinären Projekten und internationalen Kooperationen: Das Medienmuseum, das Museum für Neue Kunst, die Mediathek, das Institut für Bildmedien und das Institut für Musik und Akustik sind die Säulen des ZKM. Das ZKM versteht sich als Forum für die Begegnung von Wissenschaft und Kunst, Politik und Wirtschaft. Als Plattform zum Experiment und zur Diskussion wirkt diese Institution aktiv an der Arbeit für die Zukunft mit und stellt sich den Fragen nach einem sinnvollen Einsatz von Technologien immer wieder neu. In seinen beiden Museen und seiner einzigartigen Mediathek, im Medientheater und dem Musikkubus, im großen Eingangsfoyer und seiner Medienwerkstatt bietet das ZKM seinen Besuchern großzügig Raum zur Teilnahme an seinen inspirierenden Ausstellungen und Veranstaltungen. Mit den Präsentationen seiner Sammlung und mit einer Vielzahl international beachteter Sonderausstellungen hat sich das ZKM | Medienmuseum seit seiner Eröffnung 1997 die Herzen eines breiten Publikums erobert.
Festivals und Wettbewerbe
In Baden-Württemberg finden darüber hinaus mehrere bedeutende Treffen der Medienkunst-Szene statt: Der Verein Wand 5 e.V. organisiert jährlich in Stuttgart den Stuttgarter Filmwinter (Festival for Expanded Media) als eines der international renommiertesten Ereignisse für kulturelle Anwendungen und Experimente mit neuen Medien. Begleitend zum Filmwinter findet ein sogenannter „Media-Space“ statt, eine Ausstellung künstlerischer Arbeiten zum Thema Raum und Medien. Daneben findet in Villingen-Schwenningen seit 2001 im zweijährigen Turnus das viel beachtete Medienfestival Villingen-Schwenningen statt. Unter dem Motto „stories in HD“ präsentieren kreative Produzenten ihre Werke in den unterschiedlichsten Medien.
Im Rahmen des Festivals „Adelsheim leuchtet“ sorgen der Baron Louis von Adelsheim und sein Team dafür, dass das kleine Adelsheim durch diverse kunstvolle Illuminationen zweimal im Jahr in ein buntes Lichtermeer getaucht wird. Mit riesigen Kunst-Installationen, Video- sowie Licht-Projektionen erhellt er seit 2005 Park, Schloss und Innenstadt von Adelsheim und lockt damit jährlich etwa 8000 Besucher an. |
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