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Der Filmstandort Baden-Württemberg

 

Bewegte Bilder boomen: Bildungseinrichtungen, Sender und Produktionsstätten bilden ein kreatives Netzwerk für die Filmbranche des Landes. Nicht nur die Nachwuchsförderung, auch internationale Festivals haben sich im Land einen Namen gemacht.

 

Menschen vor einem Kino namens
Kino boomt
Die Filmszene startet durch

Obwohl das Land kein klassischer Filmstandort ist, hat das Renommee Baden-Württembergs in Sachen Film in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Mit ausschlaggebend dafür ist die Entwicklung der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Ihre Ausbildung gilt als beispielhaft und ihre Absolventen tragen maßgeblich zum Auf- und Ausbau des regionalen und überregionalen Filmsektors bei.

Ein Blick hinter die Kino-Kulissen liefert interessante Zahlen: Von 4.832 Leinwänden in Deutschland standen im Jahr 2007 650 in Baden-Württemberg. Bundesweit vermeldeten die Kinobetreiber im Jahr 2007 rund 125 Mio. Besucher, 13 Prozent davon in Baden-Württemberg. Allein die Landeshauptstadt Stuttgart beherbergt 16 Spielstätten mit 50 Leinwänden und meldete über eine Million Besucher im Jahr 2007.

Auch bei der Verleihung der Kinoprogrammpreise gehörten im Jahr 2008 zum wiederholten Male zahlreiche Kinos im Südwesten zu den ausgezeichneten Lichtspielhäusern. In den Kategorien „Allgemeiner Programmpreis“, „Kinder & Jugendprogrammpreis“, „Kurzfilmprogrammpreis“ sowie „Dokumentarfilmprogrammpreis“ stammen insgesamt 24 der 190 ausgezeichneten Kinos aus Baden-Württemberg.

 

Studenten der Ludwigsburger Filmakademie beim Filmen.
Auf dem Dreh: Studenten der Ludwigsburger Filmakademie
Vorbildliches Ausbildungskonzept der Ludwigsburger Filmakademie

Die 1991 in Ludwigsburg gegründete Filmakademie Baden-Württemberg gehört mittlerweile zu einer der weltweit renommiertesten Filmhochschulen. Ein team- und praxisorientiertes Lehrkonzept und über 300 Gastdozenten aus der Film- und Medienbranche pro Jahr sorgen zudem für die hochkarätige Ausbildung in Ludwigsburg. Die internationale Ausrichtung der Ausbildung wird durch zahlreiche Austauschprogramme u. a. mit Partnerschulen in Kanada, Polen und Kuba unterstrichen. Zur Verstärkung des internationalen Schwerpunktes wird zudem die so genannte Masterclass Ludwigsburg/Paris angeboten. Dieses Weiterbildungsprogramm bietet Absolventen von Filmhochschulen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse für den europäischen Filmmarkt zu erweitern. In den studentischen Projekten entstehen in verschiedenen Studiengängen mit Schwerpunkten wie Regie, Drehbuch, Animation oder Bildgestaltung über 250 Filme aller Genres pro Jahr. Neben den 18 Vollzeitstudiengängen der Filmakademie werden für Quereinsteiger in die Filmbranchen zudem acht Projektstudiengänge angeboten. Die Filme aus Ludwigsburg erhalten jährlich zahlreiche Preise nationaler und internationaler Filmfestivals.

MFG Filmförderung stärkt den Standort

Seit Oktober 1995 fördert die MFG Filmförderung die Entwicklung und Herstellung qualitätsvoller Kino-, Fernseh- und Videoproduktionen sowie die Kinoszene in Baden-Württemberg. Die MFG Filmförderung verfügt jährlich über ein Gesamtbudget von über 10 Mio. Euro, das in die Bereiche Drehbuch, Produktion und Verleih sowie die Kinoförderung und zahlreiche Strukturmaßnahmen fließt. Gesellschafter der Filmförderung sind das Land Baden-Württemberg sowie der Südwestrundfunk SWR. Seit 1999 besteht zudem eine Kooperation mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF/arte.

Auch der Förderung junger Talente wird große Bedeutung beigemessen. Die MFG Filmförderung arbeitet eng mit der Filmakademie Baden-Württemberg zusammen und fördert so gezielt Nachwuchstalente aus der Region. Einer dieser besonderen Kooperationen ist beispielsweise das für Diplomanden und Absolventen initiierte Förderprogramm „Junger Dokumentarfilm“, das seit 1998 gemeinsam von der Filmakademie, dem SWR und der MFG getragen wird. Ein weiteres Sonderförderprogramm, das die MFG Filmförderung gemeinsam mit dem SWR und dem ZDF aus der Taufe gehoben hat, ist „Fifty/Fifty“. Dieses Programm eröffnet Debütprojekten von Studenten und Absolventen neue Finanzierungsmöglichkeiten.

 

Ansicht des Bosch-Areals in Stuttgart
Das Bosch-Areal
Förderung wird großgeschrieben

Das Stuttgarter Filmbüro Baden-Württemberg wurde 1982 gegründet und fungiert al Interessenvertretung der Filmschaffenden aller Sparten der Film- und Kinoszene des Landes. Es vernetzt Mitglieder wie Produzenten, Autoren, Regisseure und Filmtechniker untereinander und vermittelt Kontakte zu Ämtern und Institutionen. Einmal im Jahr organisiert es im Stuttgarter Filmhaus und den Innenstadtkinos die Filmschau Baden-Württemberg. Die Filmschau zeigt die außergewöhnlichsten Produktionen aus Baden-Württemberg sowie Premieren von Kino- und Fernsehfilmproduktionen wie zum Beispiel im Jahr 2008 die Vorabpremiere des Stuttgarter Tatorts.

Seit 1998 fördert auch die Film Commission Region Stuttgart als Beratungs- und Service-Center regionale und auswärtige Filmschaffende. Sie liefert Informationen über Drehorte und Drehgenehmigungen, über künstlerische und technische Profis, über Dienstleister der Region und über junge Talente. Sie dient zusätzlich als Muster für weitere Location-Büros in Baden-Württemberg.

Eine weitere zentrale filmische Einrichtung in Stuttgart stellt das Haus des Dokumentarfilms dar. Dieses Institut arbeitet als Schnittstelle zwischen Praxis und Forschung und dient der Sammlung, Erforschung und Förderung der deutschen und internationalen Film- und Fernsehkultur.

Festivals mit internationalem Flair

Bei den einschlägigen Filmfestivals beweisen die Nachwuchsregisseure immer wieder ihr großes schöpferisches Können. So hat sich das Internationale Filmfestival Mannheim/Heidelberg wie kaum ein anderes Festival der Entdeckung neuer Talente verschrieben. Es werden ausschließlich Newcomer-Filme präsentiert, die zum größten Teil der Filmindustrie völlig unbekannt sind. Nach strenger Vorauswahl präsentiert die Festivalleitung in den beiden Hauptsektionen „Internationaler Wettbewerb“ und „Internationale Entdeckungen“ eine Auswahl von rund 35 neuen Filmen der Sektionen Spiel- und Dokumentarfilm.
Das indische Filmfestival Stuttgart-Ludwigsburg Bollywood and Beyond ist das einzige Festival des indischen Films in Deutschland. Präsentiert werden neben einem Rahmenprogramm rund 20 Spielfilme und weitere Kurz-, Animations- und Dokumentarfilme aus Indien im Wettbewerb.

Auch das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart zählt zu den international bekanntesten Festivals in Baden-Württemberg. Über 1.500 Einreichungen aus mehr als 40 Ländern verbuchen die Veranstalter jährlich und klassifizieren ihr Event zurecht als einzigartige Veranstaltung für den künstlerischen Animationsfilm. Das Festival, weltweit das zweitgrößte seiner Art, hat sich zum Ziel gesetzt, dem speziellen Filmsektor des Animationsfilmes ein modernes und anspruchsvolles Forum zu bieten.

 

Weitere Festivals im Südwesten

Bereits seit über 20 Jahren werden im Rahmen der Französischen Filmtage Tübingen/Stuttgart aktuelle frankophone Produktionen und Koproduktionen mit Unterstützung der MFG Filmförderung vorgestellt. Die Europäische Kurzfilmbiennale Ludwigsburg (Nachfolger des Europäischen Filmfestes Stuttgart Ludwigsburg) fand 2007 zum fünften Mal statt. Durchgeführt wird die Kurzfilmbiennale seit 2001 von der Stuttgarter Film- und Medienfestival gGmbH in Kooperation mit der Filmakademie Baden-Württemberg. Die Europäische Kurzfilmbiennale gilt mittlerweile als zentrales Festival für den europäischen Kurzfilm und ist Treffpunkt europäischer Kurzfilmmacher und Filmstudenten.

Bei dem Fernsehfilm-Festival Baden-Baden, das jährlich im November im Kurhaus Baden-Baden stattfindet, werden im Wettbewerb zwölf Fernsehfilme gezeigt und anschließend von einer Jury bewertet. Am Ende des Festivals wird der Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und weitere Sonderpreise verliehen. In diesem Rahmen wird auch der „MFG-Star“ an den Regie-Nachwuchs für den besten TV-Film vergeben.

Das Filmfest FrauenWelten wird seit 2001 jährlich eine Woche lang in Tübingen und Rottenburg zum 25. November, dem Internationalen Tag "Nein zu Gewalt an Frauen", durchgeführt. Veranstaltet wird das Festival von TERRE DES FEMMES. Gezeigt werden aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit den Lebenslagen von Frauen weltweit auseinandersetzen, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit Diskussionsrunden, Konzerten, Lesungen, Theateraufführungen und Workshops.
Zahlreiche weitere Filmfestivals runden das Profil Baden-Württembergs als erfolgreichen Filmstandort ab: Der Filmwinter im Stuttgarter Filmhaus verknüpft jährlich Film, Video und Neue Medien. Das Spot- und Werbefilmfestival Spotlight in Ravensburg zeichnet jährlich nationale und internationale Werbefilme aus. Die Biberacher Festspiele verstehen sich als reines Publikumsfestival und widmen sich ausschließlich dem deutschen Kurz-, Spiel- und Dokumentarfilm.

fmx-Kongress für digitale Produktion

Die fmx ist eine jährlich stattfindende Konferenz für Experten und Interessierte aus den Bereichen Animation, Visual Effects, digitale Postproduktion, Games und Mobile Entertainment. Die FMX dient als Plattform für Medienschaffende aus Kreation, Produktion und Distribution jeder Art von digitalen Bildern. Die fmx ist ein wichtiger Treffpunkt für Künstler, Wissenschaftler und Studenten, Entscheidungsträger, Investoren und Entwickler, um Kontakte zu knüpfen und Nachwuchs kennen zu lernen. Innovative Projekte aus Kunst und Design, Wissenschaft, Forschung und Technologie werden im Rahmen von englischsprachigen Präsentationen, Workshops und Panels diskutiert und erläutert.

Quellen:
Filmakademie Baden-Württemberg Entwicklung der Kinostandorte, Spielstätten und Kinosäle 2005 bis 2007 (Filmförderungsanstalt Berlin)

 




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