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An der Schnittstelle von Medien und Raum 23.02.2009
Baden-Württembergs Ausstellungsmacher gehen neue Wege. Klassische Konzepte werden dabei mehr und mehr durch neue, multimediale Entwürfe ergänzt. Auch Wirtschaftsunternehmen entdecken die mediale Inszenierung, um ihre Produkte zu positionieren. Professionelle Dienstleister unterstützen dabei, Themen und Produkte ins rechte Licht zu rücken.
| Höhepunkte der Fußballgeschichte. Bild: jangled nerves/Keller |
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Das „Wunder von Bern“ ist jedem ein Begriff, das „Wunder von Bregenz“ dagegen nur Eingeweihten. Anders als das Jahrhundertspiel von 1954 ist das „Wunder von Bregenz“ kein Meilenstein der Fußballgeschichte, sondern der Titel einer Ausstellung, die das Haus der Geschichte Baden-Württemberg im vergangenen Jahr präsentierte. Mit Fußball hat sie gleichwohl zu tun. In ihrer sportlichen Hommage an das runde Leder zeigten die Ausstellungsmacher Originalexponate aus 100 Jahren Fußballgeschichte sowie Film- und Tondokumente. Höhepunkt der Fußballschau aber war ein fiktives Länderspiel mit Teilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, das in 90 Spielminuten legendäre Momente der Fußballgeschichte wiederaufleben ließ.
Komplexe Themen anschaulich umgesetzt
Immer mehr Museen gehen den Weg, den das Haus der Geschichte Baden-Württemberg schon in mehreren Schwerpunktausstellungen erfolgreich eingeschlagen hat. Klassische Ausstellungsentwürfe werden dabei durch neue, multimediale Konzepte ergänzt. Für die Ausstellungsmacher ein naheliegendes Konzept – bietet der Bereich Multimedia doch eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Themen zugleich anschaulich und intuitiv zu präsentieren. Dies gilt besonders für sehr komplexe Themen. „Immer dort, wo eine große Komplexität in der Kommunikation vorherrscht, eignen sich moderne Medien, um etwas anschaulich darzustellen“, erklärt Professor Thomas Hundt. Als Kreativdirektor und Geschäftsführer der Stuttgarter Agentur jangled nerves hat er mit seinem Team das „Wunder von Bregenz“ konzipiert und umgesetzt.
Doch um aus einem komplexen Thema eine multimediale Präsentation zu erstellen, bedarf es nicht nur der Wahl der richtigen Medien, sondern auch der Fähigkeit, die Besucher auf das Thema einzustimmen. Der Inhalt bestimmt dabei die Wahl der Medien – und nicht umgekehrt. „Wir überlegen uns zuerst, wie wir die Geschichte erzählen wollen. Erst dann wählen wir aus der Vielzahl der Medien diejenigen aus, die diese Geschichte am besten vermitteln“, so Thomas Hundt. Die Palette reicht dabei von Architektur, Grafik, Film, Print und Text über Realbild, Illustration, Skulptur und klassisches Exponat bis hin zu interaktiven Stationen, Computeranimationen, Collagen und Objekten zum Anfassen und Ausprobieren. |
| „Stuttgart ist eine Ausstellungshochburg“, schwärmt Prof. Hundt |
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Ist das Thema abgesteckt und sind die Medien definiert, dann macht sich ein Team aus Kreativschaffenden, Technikern, Projektmanagern und Produktionern an die Umsetzung der Projekte. jangled nerves beschäftigt in seiner Stuttgarter Zentrale 20 festangestellte Mitarbeiter, darunter Redakteure, Grafiker, Architekten, Produktdesigner, Projektmanager, Entwickler und Programmierer. Ein weites Netzwerk freier Mitarbeiter komplettiert das kreative Team. Aber auch zu anderen Agenturen unterhält das Stuttgarter Büro enge Verbindungen. Zahlreiche Projekte werden gemeinsam mit Ausstellungsmachern wie dem Atelier Brückner oder dem Büro HG Merz umgesetzt.
Die Schnittstellen der traditionellen Felder der Kreativwirtschaft mit IT-Anwendungen stehen auch bei Thomas Hundts Engagement als Vorstandsmitglied bei der Wirtschaftsinitiative Baden-Württemberg: Connected e.V. im Mittelpunkt. Ziel der Wirtschaftsinitiative ist die Vernetzung von IT und Kreativwirtschaft sowie die Förderung der daraus entstehenden Synergien. |
| Bionic Car. Bild: jangled nerves/Keller |
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Wissensvermittlung auf hohem Niveau
So vielfältig wie die Themen sind auch die Ergebnisse, die Thomas Hundt und sein Team in der Vergangenheit erarbeitet haben. Neben dem „Wunder von Bregenz“ gehören dazu Wanderausstellungen, Messeauftritte, Showrooms und Installationen. Allen Projekten gemein ist der Anspruch, Wissen auf hohem Niveau zu vermitteln. „Durch den gezielten Einsatz von Medien in unseren Projekten gelingt es uns, gleichzeitig zu emotionalisieren und zu didaktisieren“, fasst Thomas Hundt zusammen und erklärt: „Es reicht nicht aus, ein emotionales Deckmäntelchen über ansonsten spröde Inhalte zu breiten. Genauso wenig reicht es aus, dem Besucher eine Fülle von Informationen an die Hand zu geben, wenn er sich für das Thema nicht wirklich interessiert.“ Erst beides zusammen, so der studierte Architekt, sorge für die gewünschte Wirkung beim Publikum – sich nachhaltig und aus echtem Interesse mit einem Thema auseinander zu setzen.
Spielerisch-leicht und akribisch-exakt zugleich
Mit diesem Konzept gelingt es den Stuttgartern immer wieder, selbst aus sperrigen Themen wie bionischen Konstruktionen eine fesselnde Ausstellung zu gestalten. Beispiel „Bionic Car“. Auftraggeber Mercedes-Benz wollte seinen Kunden in einer Wanderausstellung die Konzeptstudie eines Kompaktfahrzeugs näher bringen. Herausgekommen ist eine faszinierende Schau, die animierte Wasserreflexionen, holographische Projektionen und die überdimensionale Plastik eines leuchtenden Kofferfisches präsentierte. Für die Umsetzung dieses Projektes erhielten Thomas Hundt und sein Team den renommierten „red dot award“. Unter allen Preisträgern wurde die Ausstellung zusätzlich zum „red dot: best of the best“ gekürt. Die Jury würdigte dabei besonders die Leistung des Stuttgarter Teams, das technische Thema „spielerisch-leicht und emotional, zugleich aber akribisch und exakt“ umgesetzt zu haben.
Der starke Fokus auf Wissensvermittlung, so Thomas Hundt, unterscheide seine Arbeit und die seiner Kollegen auch von der klassischen Werbung. „Wir machen keine Produktwerbung“, betont er und fügt hinzu: „Wir legen bei unseren Projekten großen Wert auf Authentizität.“ Sicherlich wird durch die Inszenierung von Produkten wie dem „Bionic Car“ auch die Marke Mercedes-Benz gestärkt und im Bewusstsein des Besuchers positiv verankert, aber bei der medialen Inszenierung geht es nicht in erster Linie um kurzfristige Verkaufsförderung, sondern um langfristige Positionierung. Deshalb blickt Thomas Hundt – trotz Rezession und Wirtschaftsflaute – zuversichtlich in die Zukunft. „Unsere Projekte haben sehr lange Laufzeiten. Deshalb werden wir nicht nervös, wenn nicht jeden Tag neue Aufträge ins Haus kommen.“ Außerdem fühlt er sich am Medienstandort Stuttgart bestens aufgehoben. „Stuttgart ist eine Ausstellungshochburg“, schwärmt der Agenturchef. Wo, wenn nicht hier, lassen sich also auch in Zukunft spannende Projekte an der Schnittstelle von Medien und Raum umsetzen?
Autorin: Michaela Kürschner |
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