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Interaktive Landschafts- und Raumplanung: Virtuelle Stadtbesichtigung in 3D
15.10.2008

 

Durchs Stuttgarter Rosensteinviertel wandeln und miteinander sprechen – In der Realität ist das noch nicht möglich, online aber sehr wohl. Dank der Hochschule für Technik in Stuttgart, die im Rahmen eines EU-Projekts eine entsprechende Software entwickelt hat. Diese bildet geplante Bauvorhaben in 3D ab und ermöglicht zugleich Online-Diskussionen.

 

VEPS: 2D-Übersicht und 3D-Modell integriert in Kommunikationsforum.
Bei Stuttgart21 kann man sich über mangelndes Interesse der Bürger nicht beklagen. In jeder Stadt gibt es aber eine Menge Bauvorhaben, mit denen sich die Bürger nicht beschäftigen – sei es aus Mangel an Interesse oder Zeit.

Mit dem Internet als ansprechendes Medium ließe sich das ändern und die Information sowie Beteiligung der Bürger bei größeren Bauvorhaben verbessern. Mit diesem Ziel befasste sich von 2003 bis 2008 ein Projektteam mit Partnern aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland, unterstützt durch ein europäisches Förderprogramm. Entstanden ist das so genannte Virtual Environmental Planning System – kurz VEPS.

 

Prof. Dr. Volker Coors, Studiendekan Informationslogistik an der HfT
Dreidimensional und interaktiv

Mit VEPS stehen die Daten eines Bauvorhabens auf einer Internetplattform anschaulich in 3D zur Verfügung. „Damit können sich auch Laien vorstellen, welche Bauvorhaben am Entstehen sind, und die umfangreichen Inhalte und komplexen Zusammenhänge von Stadt- und Raumplanungsvorhaben verstehen und beurteilen“, so Professor Dr. Volker Coors, Studiendekan Informationslogistik an der Hochschule für Technik in Stuttgart. VEPS kann aber noch mehr: Die Bürger können ihre Meinungen zu den Planungsvorhaben auf der Plattform austauschen – zu technischen, architektonischen und sozialen Themen. „Je nachdem, an welchem Ort genau man sich auf der Karte befindet, werden die passenden Diskussionsbeiträge angezeigt“, erklärt Jürgen Bogdahn, Mitarbeiter des VEPS-Teams an der Stuttgarter Hochschule.

Das Tool „Online Public Participation in 3D“ (OPPA 3D), bestehend aus drei unabhängigen Anwendungen, macht dies möglich: Es kombiniert eine 2D-Übersicht und das 3D-Modell mit einem Kommunikationsforum. „Es handelt sich um einen so genannten Mashup, was bedeutet, dass bereits bestehende Medieninhalte miteinander kombiniert werden“, so Jürgen Bogdahn.

 

Rosensteinviertel (Bild: Amt für Stadtplanung und -erneuerung, Stgt)
Auch für Rentner geeignet

Kurz gesagt lassen sich mit VEPS also dreidimensionale und interaktive Stadt- und Landschaftsmodelle erstellen. Jeder der europäischen Partner setzte VEPS bei einem Bauvorhaben ein, die Stuttgarter Hochschule nahm sich das Rosensteinviertel vor, das im Rahmen von Stuttgart21 neu bebaut werden soll. Bei der Bürgerversammlung stellte das Team um Volker Coors VEPS vor, was auf reges Interesse stieß. „Das System lässt sich ebenfalls an Terminals benutzen. Auch Rentner, die im Umgang mit dem Internet nicht geübt waren, waren hier eifrig dabei, die Möglichkeiten auszuprobieren. Das hat uns gefreut und uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, so Volker Coors. Das Planungsamt nutzte das System zunächst intern und sammelte dabei erste Erfahrungen.

Da die Beteiligungsverfahren bei Bauvorhaben in Europa jeweils unterschiedlich geregelt sind, gilt es erst noch festzulegen, wie VEPS sich konkret einsetzen lässt. Auf jeden Fall ist es ein wichtiges Instrument der Beteiligung, „das ergänzend zu den herkömmlichen Verfahren bei Beteiligungsprozessen eingesetzt werden kann“, so Volker Coors. Denn statt lediglich vor Ort kann man sich mit VEPS schließlich jederzeit informieren – und diskutieren.

Autorin: Gitta Rohling

 




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