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Surfen und Skypen statt Kaffeeklatsch und Kegeln 20.01.2010
Fast 33 Prozent der Deutschen haben aktuellen Studien zufolge noch keinen Zugang zur Onlinewelt. Vor allem Senioren trauen sich PC- und Internetnutzung häufig nicht zu. In Baden-Württemberg gibt es daher Einrichtungen wie Senior-Internet-Initiativen, bei denen computererfahrene Senioren Gleichaltrige unterstützen. Und Projekte wie „Internet goes Ländle“, das den Ausbau solcher Initiativen fördert.
| Nur wenige Senioren nutzen PC und Internet zur Kommunikation. (Bild: MFG) |
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Die digitale Spaltung betrifft in Baden-Württemberg − wie auch in anderen Bundesländern − insbesondere Menschen, die 60 Jahre und älter sind. Hierzulande sind nach Angaben des (N)Onliner-Atlas 2009 gerade einmal die Hälfte aller Seniorinnen und Senioren an das World Wide Web angeschlossen.
Die Gründe für die geringe Internetnutzung sind vielfältig: Die meisten der sogenannten Offliner halten Informations- und Unterhaltungsangebote von Presse, Radio und Fernsehen für vollkommen ausreichend. Viele geben an, keine Zeit für Online-Aktivitäten zu haben oder das Internet weder beruflich noch privat zu benötigen. Es gibt aber auch völlig andere Motive für eine distanzierte Haltung: Knapp 35 Prozent der Offliner trauen sich die Benutzung des Internets schlichtweg nicht zu. Und weiteren 22 Prozent fehlt es an Unterstützung beim Einstieg. Gerade ältere Menschen sind mit ihren Problemen und Fragen bei der Internetnutzung häufig auf sich alleine gestellt. |
| Bruno Schüle traininiert mit einer Seniorin die PC-Grundlagen. (Bild: MFG) |
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Computererfahrene Senioren als Internet-Helfer
An diesem Punkt helfen Menschen wie Bruno Schüle weiter. Der 63-Jährige engagiert sich ehrenamtlich als Senior-Internet-Helfer in seiner Heimatstadt Reutlingen. Mehrmals wöchentlich beantwortet er beim „Treffpunkt Internet“ Fragen seiner Altersgenossen, die Interesse am Umgang mit Computer und Internet zeigen. Entgegen dem allgemeinen Trend sind hier besonders viele Seniorinnen aktiv. Statt Kaffeeklatsch und Kegeln stehen digitale Bildbearbeitung, Internettelefonie oder Onlinerecherche auf dem Programm. Ohne Voranmeldung und lediglich gegen eine kleine Unkostenpauschale erfahren die Senioren unter anderem, wie sie mit Power-Point eine Diashow ihrer Urlaubsbilder erstellen, im Internet kostengünstig Fahrkarten buchen oder Kontakte via E-Mail und Skype aufrecht erhalten können. |
| Senior-Internet-Helfer beantworten Fragen ihrer Altersgenossen. (Bild: MFG) |
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„Senior-Internet-Initiativen wie unser ‚Treffpunkt Internet‛ unterstützen ältere Menschen dabei, geistig fit zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, erklärt Schüle. Bei komplexen oder langwierigen Problemen stattet er sogar Hausbesuche ab − beispielsweise wenn Einstellungen am Router vorgenommen werden müssen oder ein PC neu eingerichtet soll. Das bereits vorhandene Fachwissen erweitern die Senior-Internet-Helfer durch Weiterbildungen, die ihnen das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung (ZAWiW) der Universität Ulm bietet.
Zu den ältesten Teilnehmern beim Reutlinger „Treffpunkt Internet“ zählt der 81-jährige Werner Paul. Ein Leben ohne PC und Internet kann sich der rüstige Rentner heute kaum noch vorstellen. „An technischen Dingen war ich schon immer interessiert. Durch häufige Rückenprobleme bin ich mobilitätseingeschränkt. Hier bietet mir das Internet die Chance, den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren.“ So bestellt Werner Paul seine Arzneimittel über eine Internetapotheke, erspart sich durch Online-Banking den mühsamen Gang zur Bank und schreibt mit einer ehemaligen Nachbarin, die mittlerweile am Lago Maggiore lebt, hin und wieder E-Mails. Seine Frau teilt die Leidenschaft für moderne Technologien nicht uneingeschränkt. „Aber wenn wir gemeinsam kochen, probieren wir manchmal auch Rezepte aus dem Internet aus.“ |
| "Internet goes Ländle" fördert die Gründung neuer Initiativen. (Bild: MFG) |
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„Internet goes Ländle“: Hilfe bei den ersten digitalen Schritten
Bislang existieren rund 50 solcher Senior-Internet-Initiativen in Baden-Württemberg. 2008 haben sich 26 davon im landesweiten Dachverband „Netzwerk für Senior-Internet-Initiativen (sii) Baden-Württemberg" zusammengeschlossen. Im Auftrag des Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum führt dieser nun das Projekt „Internet goes Ländle“ durch. Ziel ist es, die Gründung weiterer Senior-Internet-Initiativen voranzutreiben und damit dazu beizutragen, dass noch mehr ältere Menschen den Umgang mit PC und Internet erlernen. Gerade im ländlichen Raum mangelt es in Baden-Württemberg bislang häufig noch an entsprechenden Anlaufstellen. Gemeinsam mit den Projektpartnern, der MFG Baden-Württemberg und dem ZAWiW, will das Netzwerk Kommunen im Land dazu ermuntern, eigene Initiativen ins Leben zu rufen.
Bei der Gestaltung ihrer Angebotsformen haben die Initiativen freie Hand – sie können sie flexibel an die Verhältnisse und Möglichkeiten vor Ort anpassen. „Jede Initiative hat in der Regel ihre eigene Struktur“, erklärt Bruno Schüle. So sind Einzel- und Gruppenberatungen ebenso denkbar wie Einsteiger-Schnupperkurse oder Schulungen zu verschiedenen Themen rund um PC und Internet. Bereits bestehende Senior-Internet-Initiativen stehen den Verantwortlichen bei der Gründung neuer Initiativen auf Wunsch beratend zur Seite.
Darüber hinaus bietet eine Fachtagung der Landesstiftung Baden-Württemberg mit dem Titel „Lebenslanges Lernen“ für alle Interessierten die Möglichkeit zum Austausch. Sie findet am 27. Januar 2010 im Literaturhaus in Stuttgart statt. Dort diskutieren Forschungs- und Weiterbildungsinstitutionen, welche Chancen und Herausforderungen die Mediennutzung im digitalen Zeitalter für die Gesellschaft bereithält. Auch Bruno Schüle beantwortet am Infostand stellvertretend für seine Initiative „Treffpunkt Internet“ gerne offene Fragen.
Autorin: Aline Schmid |
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